Über 1000 Besucher kamen zur 1. Industriemesse im südlichen Fischereihafen am Freitag, 20. Mai 2011.

Hochmoderne Strahlanlagen, Stahlbau als Präzisionsarbeit im Millimeterbereich und Hingucker vom Offshore-Hubschrauber bis zum mobilen Schwerlastkran – die Technikmesse südlicher Fischereihafen bot interessierten Firmen erstmals die Möglichkeit ihre Fachkompetenz vorzustellen. Am 20. Mai von 10 Uhr bis 18 Uhr präsentierten insgesamt mehr als 15 Firmen eindrucksvoll die Vielseitigkeit dieses prosperierenden Gewerbegebietes auf dem Gelände der Firma Strako in der Grönlandstraße 3. Auch für Essen und Trinken war gesorgt – selbstverständlich aus dem Fischereihafen.
„Wir wollten ganz einfach mal etwas Neues machen und gleichzeitig das vorhandene Know-how zum Angucken und Mitmachen präsentieren“, sagte der Geschäftsführer der Strako Strahlarbeiten- und Korrosionsschutz GmbH, Holger Bartels. Er hat die Messe für Fachpublikum und Interessierte organisiert. Unter anderem wurde seine neue Firmenhalle eingeweiht, in der jetzt auch Aluminium, Edelstahl oder Glas gestrahlt werden können – mit feinsten Glas- und Keramikperlen als Abstrahlmaterial. „Auf die Art können wir verschiedenste Oberflächen hochintensiv reinigen und behandeln“, so Holger Bartels. Bisher waren die rund 30 Mitarbeiter mehr im Stahl- und Industriebereich tätig. Unter anderem wurde bei Strako der Stahl für die Spundwände des Wilhelmshavener Tiefwasserhafens mit einem Korrosionsschutz versehen und auch das Jahrhundert-Sperrwerk „Mose“ bei Venedig hat seinen Stahl in Bremerhaven gegen Rost schützen lassen. „Wir arbeiten international – führen aber auch gern kleinste Arbeiten für Privat-Kunden durch“, so Bartels.
Präsentiert wurden auf der Messe verschiedene Firmen vom Zaunbau bis zur Kesselreinigung – so wie die Firma Gütschow, die seit 1924 große Anlagen vom Hilfskessel bis zum Abgaskessel auf Seeschiffen und in der Industrie reinigt, als weiteres werden Ballast-Tanks und Laderäume mit einer ausgefeilten Technik bearbeitet. „Dabei wird Wasser mit extremem Hochdruck zum Entrosten, Farbe entfernen und reinigen eingesetzt – bei 500 bar bis 2800 bar. Damit könnte man sogar Holz schneiden“, so ein Firmensprecher. Die Kunden kommen aus ganz Europa und sind schwerpunktmäßig Reedereien und Werften. Um sich weiter zu spezialisieren, bietet Gütschow mit seinen 17 Mitarbeitern seit kurzem auch das Abstrahlen von Flächen unter einer Vakuumglocke an: „Damit kann man sogar auch ein Graffiti von einer Kunststoff-Tür abstrahlen und die Tür ist danach wie neu.“
Die Firma Huth Metallbau hat an der neuen Kaiserschleuse mitgearbeitet. Alle Zäune, Zugangstore und Geländer stammen von dieser Traditionsfirma, die es bereits seit 1964 in Bremerhaven gibt. Der Kundenkreis liegt speziell in der Region.  „Wir fertigen mit unseren 36 Mitarbeitern alles von Zäunen, Toren, Schranken und Drehkreuzanlagen bis zu Eingangsanlagen, Brandschutztüren, Balkonen und Brüstungen“, sagt Geschäftsführer Felix Huth. Auch Schlosser- und andere Metallarbeiten gehören zum Angebot der Firma. So hat Huth Metallbau auch am Bremerhavener Klimahaus mitgearbeitet und den sehenswerten, 14 Meter hohe Metallkegel im Eingangsbereich geschaffen.
Hoch hinaus geht es für die Herwarth Slupinski GmbH. Die Firma präsentierte auf der Industriemesse verschiedenste Hebebühnen und Krane – die auch von den Messebesuchern ausprobiert werden konnten. „Hauptsächlich liefern wir an Werften, Terminalbetreiber wie Eurogate und für die Windkraft-Industrie alles, was Personen nach oben bringt“, sagt Geschäftsführer Alfred Witzke. Mobilkrane hält die Firma bis zu einer Hebefähigkeit von 55 Tonnen vor. Die höchste Teleskop-Arbeitsbühne reicht 43 Meter hoch. In ganz Norddeutschland gibt es nur wenige Firmen, die solche speziellen Geräte vermieten. Insgesamt hält die Slupinski GmbH mehr als 400 Hebegeräte vor. Auch Reparatur und Service gehören zum Programm der 33 Slupinski-Mitarbeiter. Alfred Witzke: „Unsere Kunden kommen aus dem gesamten norddeutschen Raum – von Bremen über Wilhelmshaven bis Hamburg.“ Zum Mietpark der H. Slupinski GmbH gehören mehr als 400 Geräte. Auch Reparaturen und umfangreicher Service (z. B. 24-Stunden-Notdienst) gehören zum Programm der 33 Slupinski-Mitarbeiter.
Mit Hebe- und Zurrsystemen handelt die Lübbe GmbH. „Alles was unter dem Kran ist – da ist unser Bereich“, sagt Geschäftsführer Rolf Lübbe. Das betrifft Ketten, Riemen und Drahtseile von der Hebebühne bis zur Ausrüstung großer RoRo-Frachter. Die Firma überprüft auch alle Systeme – die teilweise bis zu 100 Tonnen heben und halten müssen - auf ihre Belastbarkeit und eventuell vorhandene Risse. Dafür werden die Bauteile mit einer speziellen Flüssigkeit behandelt und dann per Infrarot-System kontrolliert. Die Kunden der Lübbe GmbH kommen aus ganz Norddeutschland und der östliche Einzugsbereich erstreckt sich bis Polen.
Ohne die SPW GmbH würde manches Sportboot im Wasser bei Flaute nicht vom Fleck kommen. Die Firma stellt seit 1988 Propeller für Boote her und hat auch eigene Prototypen entwickelt, die in Bremerhaven von den 23 Mitarbeitern hergestellt werden. Weltweit gibt es nur rund zehn Firmen, die einige der speziellen Propeller-Typen bauen. Hergestellt werden die bis zu anderthalb Meter großen Meisterstücke aus einer Legierung von Nickel-Aluminium-Bronze – auch für große Traditionssegler. Der Preis kann dann schon mal 50.000 Euro betragen. Als Spezialist hat die SPW GmbH Kunden überall auf der Welt – in den USA, in Kanada, in Europa und auch in Australien. Außerdem stellt SPW auch verschiedene Hebewerkzeuge für Vancarrier und Containerbrücken her, die unter anderem beim Container verladen im Hafen eingesetzt werden.
Mit Metall arbeitet auch Unterweser Stahl- und Maschinenbau. Das zur Unternehmensgruppe Rönner gehörende Unternehmen hat unter anderem die gesamten Spundwände für den Tiefwasserhafen Wilhelmshaven bearbeitet und angeliefert. Die Gesamtmenge: 80.000 Tonnen. Bei USM wurden Bleche und andere Bauteile an die Stahlträger angeschweißt. Beim Bau der gesamten Stromkaje war die seit 1970 tätige Firma ebenso dabei wie aktuell beim Ausbau der Kaiserschleuse in Bremerhaven. Im Fischereihafen hat USM direkten Zugang zum Wasser und verlädt die Bauteile über die firmeneigenen Kräne mit 65 Tonnen Tragfähigkeit. In der Halle können Stückgewichte bis zu 100 Tonnen verarbeitet werden und das wurde von Firma USM auch während der Messe vorgeführt.
Als Entsorgungsfachbetrieb arbeitet die Müllkontor GmbH und hat sich seit 1996 auf die Entsorgung von Sonderabfällen spezialisiert. Dazu gehören Farben, Lacke oder auch Säuren, die mit speziellen Gefahrgut-Behältern abtransportiert werden. Die Stoffe fallen unter anderem im Korrosionsschutz, im Maschinenbau oder der Malerei an. Die Kunden kommen aus dem Fischereihafen, dem Stadtgebiet und dem Landkreis Cuxhaven. Auch in der Asbest-Entsorgung sind die acht Mitarbeiter der Müllkontor GmbH tätig. Unter anderem werden Hausfassaden in Größen bis zu 600 Quadratmetern entfernt und abtransportiert oder alte Schiffe beim Werftaufenthalt von Asbest befreit. Außerdem ist das Unternehmen in der Abfallberatung tätig.
Wer auf der Industriemesse gern mehr über die Ausbildung zum Gabelstaplerfahrer (m/w) erfahren wollte, hatte die Möglichkeit, sich bei der DEKRA Akademie GmbH zu informieren. Auf dem Strako-Gelände wurde ein Parcours aufgebaut, auf dem die Geschicklichkeit mit dem Flurförderzeug unter Begleitung eines zertifizierten Ausbilders getestet werden konnte. „Wir bieten Schulungen und Ausbildungen, u. a. zum Gabelstaplerfahrer an und stehen für Fragen zur Verfügung“, sagt DEKRA Akademie-Leiter Gerd Lange. In Bremerhaven bietet die DEKRA-Akademie außerdem Qualifizierungen und Seminare in den Bereichen Transportlogistik, Lagerlogistik, sowie die EU-Berufskraftfahrer-Weiterbildung an. Wer seine Fahrkünste in einem schnelleren Metier testen wollte, konnte dies bei der 1. Industriemesse ausprobieren: In einem Formel-Eins-Simulator.
Schutz bei der Arbeit mit Berufsbekleidung bot die Atis GmbH. Dabei reichen die belieferten Berufsgruppen vom Containerterminalbetreiber bis zum Lebensmittelhersteller sowie Industrie. Vom Arbeitskittel, über den Overall und den Schutzhelm bis zum Sicherheitsschuh liefert die Firma fast alles - auch Werkzeuge wie Schweißgeräte oder Winkelschleifer. „Wir beliefern seit gut 20 Jahren rund 250 Firmen in Bremerhaven. Man könnte sagen, es gibt in der Stadt kaum einen Betrieb, der Atis GmbH nicht kennt“, sagt Geschäftsführer Stefan Thomas. Neben dem Auftritt auf der Industriemesse plant die Atis GmbH noch etwas Größeres. Derzeit wird im nördlichen Fischereihafen für 1,2 Millionen Euro die neue Niederlassung gebaut: 250 Quadratmeter Geschäft mit Ausstellungsfläche und dahinter 750 Quadratmeter Lagerfläche. Dies garantiert, dass die elf Mitarbeiter die Kunden künftig noch umfassender und zügiger bedienen können.
Den Kampf gegen Salzwasser, feuchte Meeresluft und Rost hat die Firma Sika Deutschland GmbH aufgenommen. Sie stellt Beschichtungsstoffe her und lässt unter anderem die Bauteile von Offshore-Windrädern mit speziellen Lacken beschichten. „Die flüssige Masse wird mit Hochdruck-Spritzgeräten auf die Stahlbauteile aufgebracht, damit sie im Wasser und in der Luft nicht rosten“, sagt Mitarbeiter Stefan Luipers. „Dadurch werden die Bauteile von der Gründung auf dem Meeresgrund bis zu den Türmen der Windräder mehr als 25 Jahre vor Korrosion geschützt.“ In Bremerhaven sieht man viele Bauwerke, die von Sika Chemie beschichtet wurden. Unter anderem hat die Firma die 56 Meter langen und 21 Meter hohen Tore der neuen Kaiserschleuse von innen und außen mit ihrem speziellen Korrosionsschutz versehen. Die Nutzungsdauer dieser Schleusen: 80 Jahre.
Speziell im Offshore-Bereich ist auch die Firma HeliService International mit ihren zehn Mitarbeitern tätig, die auf der Industriemesse südlicher Fischereihafen einen ihrer Helikopter vorstellte. Die Firma fliegt unter anderem Monteure für Offshore-Windräder zu den Windparks in die Nordsee. Vom Flugplatz Luneort aus wird mehrfach am Tag gestartet. Dabei transportiert HeliService bis zu 12  Passagiere pro Flug. Der längste Flug dauert eine Stunde und führt die Piloten bis 50 Kilometer vor Sylt zur Offshore-Forschungsplattform „Fino 3“. Neben den beiden Hubschraubern für den Offshore-Einsatz verfügt HeliService über zwei weitere Maschinen, die auf dem deutschen Forschungseisbrecher „Polarstern“ stationiert sind. Für die Zukunft in Bremerhaven sind weitere Investitionen geplant. HeliService-Prokurist Hans Heckmann: „Wir wollen uns einen dritten Hubschrauber zulegen, damit wir der Nachfrage aus der Windenergie gerecht werden können.“
Maritim und süß präsentierte sich die Schokoladenmanufaktur Bremerhaven auf der Messe und stellte Schokolade her. Mit Formen vom Fisch über die Muschel bis zur Krabbe hat sich Firmeninhaber Thomas Wüppermann einen festen Kundenstamm in ganz Deutschland erarbeitet. Unter anderem stellt er auf Wunsch Schokolade für den Mercedes-Konzern her. „Hier geht es aber um andere Motive und es kann schon mal sein, dass ein DIN-A4 großes Bild eines Autos auf eine Schokolade soll“, sagt Thomas Wüppermann. In seiner Manufaktur im Fischereihafen stellt er jährlich rund sieben Tonnen Schokolade her – 20 verschiedene Sorten per Hand. Die Tafeln und andere Formen werden mit der flüssigen Schokolade ausgegossen, dann einzeln verpackt und bundesweit verschickt. „Wir haben nicht nur einen ganz eigenen Schokoladen-Geschmack entwickelt, sondern auch eine eigene maritime Verpackung mit Wiedererkennungswert“, so Wüppermann.
Wiedererkennungswert hat auch das Catering der Firma Fiedler Meeresdelikatessen GmbH auf der Messe. Mit leckerem Fisch von der geräucherten Makrele, über den Aal bis zum Lachs gehört die Firma zu den bekannten Größen im Fischereihafen. Traditionell im Buchenrauch geräuchert, werden die Produkte bundesweit verschickt und verkauft. Zu den Abnehmern gehören sowohl Einzelhändler als auch Großkunden. Pro Jahr verarbeitet Fiedler Meeresdelikatessen rund 800 Tonnen Fisch. Die Räucherei kann besichtigt werden und hat rund 6000 Besucher jährlich. Insgesamt betreibt die Fiedler Meeresdelikatessen GmbH drei gastronomische Betriebe und hat 100 Mitarbeiter.
Energieersparnis, Wärmedämmung, CO²-Reduzierung  – das sind die Themen der Bremer Energiekonsens GmbH. Das Bremerhavener Büro der Bremer Firma kümmert sich um Unternehmen, die ihre Energie-Bilanz verbessern und damit auch Geld sparen wollen. „Im Fischereihafen geht es dabei zum Beispiel darum, automatische Türen von Kühlräumen schneller zu schließen, Maschinenanlagen effizienter zu machen und die Funktion von Druckluftbereichen in der Lebensmittelbranche zu überprüfen“, sagt Mitarbeiter und Energieberater Heinfried Becker. Außerdem vermittelt die Bremer Energiekonsens als gemeinnützige GmbH für ein geringes Entgelt Informationen über Förderprogramme und zinsgünstige Bundeskredite zur Energieeinsparung.
Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter Bremerhaven präsentierte ihre Förderprogramme und aktuellen Jobangebote.
Auch die FBG war auf der 1. Technikmesse südlicher Fischereihafen mit einem Stand vertreten. Die Auszubildenden der FBG gewährten Einblicke in ihre umfangreichen Tätigkeitsbereiche und informierten gerne über Ihre Aufgaben und ihre Arbeit in einem vitalen Gewerbegebiet.